Sport für Lungenpatienten: Jeder Schritt zählt

Bewegung lohnt sich

Körperliche Aktivität und Krankheit: In den Köpfen vieler Patienten und Ärzte passt das nicht zusammen. Gerade, wenn es um chronische Lungenerkrankungen geht, wie zum Beispiel Asthma, COPD und den erblich bedingten Alpha-1-Antitrypsin-Mangel. Ein fataler Irrtum, denn: Patienten geraten häufig in eine Abwärtsspirale, in deren Verlauf Leistungsfähigkeit, Lungenfunktion und Lebensqualität immer weiter abnehmen. „Es ist wichtig, gerade chronisch Lungenkranke regelmäßig zu körperlicher Aktivität zu animieren“, betont daher Dr. Klaus Kenn, Pneumologe und Chefarzt in der Schön Klinik Berchtesgadener Land. Seine Erfahrung: Sport kann die Leistungsfähigkeit von Lungenpatienten erhalten oder sogar verbessern. Sich aufgrund der Erkrankung zu schonen, hat dagegen eher negative Effekte: „Durch die Atemnot sinkt die körperliche Leistungsfähigkeit, die Patienten bewegen sich weniger. Das hat wiederum zur Folge, dass sich die Atemnot bei erneuter Belastung weiter verstärkt und der Aktivitätsradius immer enger wird“, erklärt Kenn. „Dieser Entwicklung muss man frühzeitig entgegenwirken, indem man den Patienten entweder Programme wie ‚Lungensport‘ anbietet oder sie dazu motiviert, den Sport bzw. körperliche Aktivität selbständig in ihren Alltag einzubauen.“ Spezieller „Lungensport“ – also Bewegungstherapie und körperliches Training für Patienten mit Atemwegs- und Lungenkrankheiten – werde jedoch noch nicht flächendeckend angeboten, so Kenn: „Lungensportgruppen sind etwa im Vergleich zu Herzsportgruppen noch sehr unterrepräsentiert, es gibt noch viele weiße Flecken auf der deutschen Landkarte.“

Auf gleichmäßige Atmung achten

Doch gibt es für Lungenpatienten auch andere Möglichkeiten der körperlichen Aktivität. „Wer kann, sollte seine Ausdauer durch Wandern, Joggen oder Radfahren trainieren“, so Kenn. Besonders wichtig:die benötigten Ressourcen klug und zielgerichtet einsetzen. Vor allem empfehlen sich Sportarten, bei denen der Atemrhythmus konstant beibehalten werden kann. Der Rat des Experten: „Die Patienten sollten stets nur so schnell laufen oder Fahrrad fahren, wie sie atmen können. Das heißt: Die Atemmöglichkeit bestimmt das Tempo, nicht das Großhirn.Manch einer muss sich in einer solchen Situation erst mit seinem neuen Tempo abfinden.“ Für stärker eingeschränkte Lungenpatienten empfiehlt Kenn einfaches Gehen oder Treppenlaufen: „Man sollte sich möglichst an alltagstauglichen Übungen orientieren.“

Gegen die Angst anlaufen

Wer chronisch krank ist und mit Atemnot kämpft, leidet oft auch unter Angst und Depressionen. Auch in dieser Hinsicht kann körperliche Betätigung einen wichtigen Beitrag leisten. „Wir haben in eigenen Studien zeigen können, dass man allein durch Trainingstherapie – also durch Aktivität – Depressionen und Angstzustände mindern kann“, sagt Kenn. „Man geht heute davon aus, dass COPD und COPD-ähnliche Erkrankungen wie der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel keine ausschließlichen Lungenerkrankungen sind, sondern dass sich eine ganze Reihe außerhalb der Lunge stattfindender Zusatzprobleme entwickeln“ – zum Beispiel Herzkreislauf-Schwächen, Muskelabbau oder eben eine Verschlechterung des psychischen Befindens. „All das kann mit dem Ansatz von mehr Aktivität günstig beeinflusst werden“, erklärt Kenn. „Das zeigt: Jede Bewegung, jeder Schritt zählt!“ Und: Je früher mit dem Training begonnen wird, desto besser. Dabei haben Patienten mit erblich bedingtem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel sogar einen gewissen Vorteil: „Wenn bei den Betroffenen ein Familienscreening durchgeführt wurde, können die Patienten schon von ihrem Risiko wissen, bevor die ersten Symptome auftreten. In diesem Fall könnte körperliche Aktivität sogar einen präventiven Effekt haben.“ Bei Alpha-1 fehlt ein Eiweiß, das für den Schutz des Lungengewebes verantwortlich ist. Unbehandelt führt die Erkrankung mit den Hauptsymptomen Atemnot, chronischer Husten und Auswurf zu bleibenden und so starken Lungenschäden, dass letztlich sogar eine Transplantation notwendig werden kann. Alpha-1 wird mittels eines einfachen Bluttests diagnostiziert. Behandelt werden kann die Erkrankung durch eine Therapie, bei der dem Körper das fehlende Schutzeiweiß zugefügt wird. Quelle: www.alpha-1-info.de

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